In den USA sinken Versicherungsbeiträge deutlich, sobald das Auto selbst fährt.
Ziel eingeben, auf Autopilot schalten und ein Nickerchen machen?
Von Meinrad Müller
Warum Versicherungsbeiträge sinken, wenn der Fahrer das Lenkrad loslässt
In den USA führt die Versicherung Lemonade ein neues Tarifsystem ein. Wer einen Tesla nutzt und den Fahrmodus „Full Self Driving“ (Selbstfahrmodus, Autopilot) aktiviert, erhält bis zu 50 Prozent Rabatt auf die Versicherungsprämien. Gemeint sind genau jene Strecken, in denen der Mensch seine Finger vom Lenkrad und die Füße von den Pedalen lässt. Fahrzeuge anderer Hersteller erhalten diese Rabatte noch nicht.
Der Grund ist einfach. Versicherungen leben von Zahlen. Die ausgewerteten Schadensdaten zeigen, dass diese Fahrten weniger Unfälle verursachen. Weniger Unfälle bedeuten weniger Kosten. Sinkt das Risiko, sinkt der Beitrag. Das ist keine Zukunftsvision, sondern nüchterne Kalkulation.
Was „Full Self Driving“ (Autopilot) im Alltag bedeutet
„Full Self Driving“ heißt nicht, dass der Fahrer schläft. Das Auto lenkt, bremst und beschleunigt selbst. Der Mensch bleibt aufmerksam und könnte eingreifen. Etwa dann, wenn plötzlich eine schwarze Katze von einem Baum auf die Motorhaube springt.
Im Alltag übernimmt der Computer das Denken und das Fahren. Kameras sehen 360 Grad rundum, die Sensoren reagieren sofort. Die Software kennt keine Müdigkeit. Genau deshalb sind diese Strecken statistisch sicherer als menschlich gefahrene.
Wenn die Versicherung steuert
In Deutschland wird Mobilität politisch gesteuert und Kaufprämien werden verteilt. Einmal 6.000 Euro, dann wieder nichts. Dauerhafte Entlastung entsteht so nicht. Gleichzeitig verärgern ADAC-Funktionäre mit rund 40 Millionen Mitgliedern ihre eigenen Beitragszahler, indem sie höhere Benzinpreise fordern, „wegen Klima und so“. Kundensicht klingt anders.
In den USA dagegen belohnt ein Versicherer eine klare Entscheidung. Nicht pauschal, nicht ideologisch. Wer seinen intelligenten Butler das Steuerrad im Tesla übernehmen lässt, fährt statistisch sicherer und zahlt weniger. Der Vorteil entsteht nicht durch Fahrstil, sondern durch den Verzicht auf menschliche Fehler.
Aufs Jahr gerechnet ein echter Geldfaktor
Liegt eine Police bei 1.200 oder 2.500 Euro im Jahr, dann bedeuten 40 bis 50 Prozent eine erhebliche Ersparnis. Diese Summe deckt bereits einen großen Teil der Leasingraten ab. Nicht einmalig, sondern über Jahre hinweg. Genau hier liegt die Sprengkraft dieses Tarifsystems. Technik wird finanziell belohnt. Und plötzlich zeigt sich, dass weniger Mensch am Steuer auch weniger Kosten verursacht.
Wir sollten auch in der Politik einen Autopiloten ran lassen, gefüttert mit Wirtschaftsdaten, nicht mit Ideologie.
Meinrad Müllers Blog: www.info333.de/p



